Klaus Bormann:
Sei
gut zum Fuß.- Wie schütze ich meine
Füße? Folie
Vortrag
- gehalten auf dem zweiten Limburger Diabetestag am
17.06.2007
in der Stadthalle Limburg
Leonardo da Vinci
nannte den menschlichen Fuß ein technisches
Wunder.
Ein
Fuß
besteht aus 26 Knochen, Dutzenden von Muskeln und Bändern,
Arterien
und Venen, Sehnen, Nervenund aus der Haut mit Nägeln und
Haaren.
Beim
Künstler hochangesehen, fristen unsere Füße
bei uns
ein
Aschenputteldasein.
Erst
bei
Beschädigung oder Verlust nehmen wir sie richtig zur Kenntnis.
Sie
tragen
uns
ein ganzes Leben lang, meist klaglos.
Aber
unsere Füße können mehr. Sie
können und müssen
zum Teil die Hände
ersetzen.
Denken wir nur an Armamputierte, die mit den Füßen
malen
oder
an
Menschen ohne Hände, die mit den
Füßen ihren
Computer bedienen.
Die
Nerven in unseren Füßen und Beinen melden
ununterbrochen
dem
Gehirn
,
auf welchem Untergrund wir stehen oder gehen.
Diese sensiblen Nerven melden
aber auch die Temperatur und
den Stand unserer Füße.
Motorische
Nerven ziehen vom Gehirn und Rückenmark hinab zu
Beinen
und
Füßen,
zu den Fußmuskeln und
führen dazu, dass diese arbeiten.
Zum
Funktionieren fehlt dann nur noch der Sauerstoff. Dieser wird in den
Arterien angeliefert.
Nerven
und
Arterien werden bei Ihrem Arzt mit einfachen, aber
aussagekräftigen
Mitteln untersucht:
Augen,
Hände, Reflexhammer,Monofilament, Stimmgabel, Temperaturmesser
und Dopplersongraphie.
In
Deutschland leben ungefähr 8 Millionen Diabetiker.
Nach
ärztlicher Erfahrung wird etwa jeder zehnte Zuckerkranke
gesundheitliche
Probleme mit seinen Füßen bekommen.
Warum
ist das so und was kann man vorsorglich dagegen tun?
Als
erstes
und wichtigstes Instrument muss der Zucker gut eingestellt werden.
Durch
anhaltend hohen Blutzucker (HBA1c) nehmen die Nerven
Schaden
(Polyneuropathie).
Es
gibt als
erstes die sogenannte „sensible“
Polyneuropathie.
Die Temperaturempfindung ist
gestört. Temperaturen von über
50 Grad
Celcius
werden möglicherweise nicht mehr als schmerzhaft empfunden.
Der Fuß
meldet dann"kalt" anstatt "warm".
Der Diabetiker verbrennt seine
Füße
an der Heizdecke, an der Wärmflasche oder am heißen
Meeresstrand
wenn er barfuß geht.
Der
Nerv meldet unebenen Untergrund nicht mehr. Daraus entsteht
ein
schwerer bis stampfender Gang, so dass die Haut und Knochen und
Gelenke
Schaden nehmen.
Die Schmerzempfindung ist gestört. Enge
Schuhe oder Strümpfe,
Haftzwecken oder
Steine im Schuh, sogar Nägel in der Schuhsohle werden
nicht
mehr
wahrgenommen. Der Diabetiker bemerkt nicht einmal
schlecht
heilende Wunden.
Die
Füße melden auch Schmerzen, wo gar keine sind. Die
Füße brennen
und
kribbeln, vor allem in der Nacht.
Diese
Störungen sind oft sockenförmig, die Beine werden
unruhig
("burning
feet"
und "restless legs").
Leider
nehmen oft auch die motorischen Nerven Schaden.
Dadurch
verkrümmen
sich die Zehen zu z.B. Hammerzehen und Krallenzehen. Das
Fußquergewölbe
kann einbrechen . Dadurch entstehen
Druckgeschwüre
der Haut , die schlecht heilen.
Selten
kommt es sogar zu Muskellähmungen und die Fußspitze
kann
nicht
mehr
angehoben werden.
Außerdem
wird die Haut spröde und reißt ein.
Wenn
aufgrund von zu hohen Zuckerwerten, zu hohen Fettwerten zu hohem
Blutdruck
und Tabak rauchen die Arterien verkalken, kommen
Durchblutungsstörungen hinzu.
Der
Diabetiker klagt über Schmerzen in den Beinen beim Gehen,
manchmal
sogar
in
Ruhe. Gewebe kann absterben. Die Zehen werden unterUmständen
schwarz.
Die Vorbeugung oder Vermeidung
solcher Schäden liegt uns
sicher am
Herzen.
Lassen
Sie uns mit dem Schuhkauf
beginnen!
Achten
Sie bitte darauf, dass der Schuh keine Schuhkappe hat ;
innen
sollten keine Nähte sein; das Leder muss atmen
können. Die
Schuhsohle
darf nicht zu biegsam, aber auch nicht zu weich sein.
Wechseln
Sie bitte jeden Tag Ihre Schuhe. Ihre Strümpfe sollten aus
Wolle
oder
Baumwolle sein, auch sie ohne Nähte. Wechseln Sie jeden Tag die
Strümpfe.
Kontrollen
Sie jeden Tag Schuhe und Strümpfe auf Beschädigungen,
außen
und
innen.
Steckt
ein
Fremdkörper in der Sohle? Ist das Innenfutter zerrissen,
ist die Sohle innen intakt?
Lassen Sie Ihre Schuhe rechtzeitig reparieren. Wenn Ihre
Augen
schlecht sind, bitten Sie jemanden aus Ihrem Umfeld, für Sie
die
Schuhe
und
Strümpfe anzusehen.
Mehr
als die Hälfte aller Fußschäden bei
Diabetikern soll
durch falsches
Schuhwerk
hervorgerufen werden.
Die
Älteren unter uns erinnern sich vielleicht noch daran, wie in
den
sechziger
Jahren des vorigen Jahrhunderts
in
Schuhgeschäften Röntgengeräte betrieben
wurden zum
Messen der Füße.
Wegen
des
Strahlenschutzes geht das heute nicht mehr, aber die
Idee
an
sich hat was für sich. Wenn Sie sich
barfüßig auf
einen Pappkarton
stellen
und den Umriss des Fußes
aufmalen, den Umriss ausschneiden und
diese
Schablone beim Schuhkauf in den Schuh stecken,
werden
Sie
sehen,dass 2/3 aller Konfektionsschuhe zu schmal sind.
Selbst
wenn Sie sich am Abend mit etwas dickeren Füßen Ihre
Schuhe
kaufen,
sind diese doch fast immer zu schmal. Verlangen Sie breitere
Schuhe
(Breite M oder 12),gehen Sie ins Orthopädiefachgeschäft.
Zu
enges
Schuhwerk macht Druckstellen. Sie sollten diabetische
Schutzschuhe
tragen.
Die
Krankenkassen geben unter Umständen Zuschüsse.
Zwei
Drittel der Fußschäden bei Diabetikern entstehen
durch zu
hohen Druck
im
Schuh und durch
Fehlbelastung.
Mancher
Diabetiker wird jetzt denken: Ich habe es immer gewusst: Eines
Tages
werden meine Füße abgeschnitten.
Soweit
soll es gar nicht kommen und wird es auch nur selten kommen.
Wie
können Sie vorbeugen?
Die
folgenden Appelle gelten eigentlich für alle, nicht nur
für
Diabetiker.
Das
gilt
auch für Ihre Füße: Schauen Sie jeden Tag
Ihre Füße
an.
Ist
die
Haut trocken, rissig, schuppig, gerötet oder gar verletzt?
Dann
suchen
Sie bitte schleunigst Ihren Arzt auf.
Cremen
Sie
Ihre Füße täglich mit Harnstoffsalbe ein.
Lassen Sie
sich auch
gegen
Wundstarrkrampf impfen!
Sind
Haut
und Nägel verpilzt? Auch dann bitte
zum
Hausarzt! Pflegen Sie Ihre Fußhaut bitte täglich!
Benutzen
Sie bitte
Thermometer
fürs Fußbad (35 Grad). Trocknen Sie Ihre
Zwischenzehenräume
gut ab! Tragen die Hornhaut bitte nur mit dem
Bimsstein oder
einer Sandblatthornhautfeile ab.
Scharfe
Gegenstände
(metallene Scheren, Feilen) können zu Verletzungen
führen.
Fragen
Sie
im Zweifel Ihren Arzt nach einem Rezept für die medizinische
Fußpflege.
Die Kassen geben unter bestimmten Voraussetzungen
Zuschüsse
oder übernehmen die Kosten vollständig.
Feilen
Sie
Ihre Nägel gerade! Scheren können zu Verletzungen
führen.
Wenn die Nägel dann doch einmal einwachsen sein sollten, gehen
Sie
bitte
zum Arzt. Dieser sollte den Nagel erhalten und nicht
herausreißen.
Die
Wunden
heilen oft ganz schlecht
Ihr
Hausarzt soll mit Ihnen den Blutzucker, den Blutdruck und die
Blutfette gut
einstellen.
Aber trotzdem können Neuropathien und
Durchblutungsstörungen
und
Entzündungen entstehen. Er wird Sie dann zu Spezialisten
schicken.
Der
Diabetologe Folie wird
sich um den
Stoffwechsel, auch um
Erkrankungen
der Füße kümmern. In diabetologischen
Fußambulanzen
finden
Sie
Spezialisten zur Behandlungen von schweren Entzündungen und
Durchblutungsstörungen.
Bei Gefäßspezialisten sind
fußerhaltende
Operationen
möglich. Im Vorfeld arbeiten und sollen auf keinen Fall
vergessen
werden der Krankengymnast, der Podologe und der
orthopädische
Schuhmacher.
Ich
komme zum Schluss.
1989
haben Fachleute in St. Vincent,
USA, sich zum Ziel
gesetzt, die
Amputationsrate
bei Diabetikern in 10 Jahren zu halbieren. Dies ist
nirgendwo
auf der Welt gelungen.
Die
Füße
fristen weiter ein Aschenputteldasein.
Hier
und
zum Schluss das Original.
"rucke
die Schuck, rucke die Schuck - Blut ist im Schuck!" (Geb. Grimm,
Aschenputtel)
Lassen
Sie
uns unsere Füße pflegen, den Stoffwechsel gut
einstellen
und
das
richtige Schuhwerk tragen, damit wir weiter gut zu Fuß
sind.
27 Folien am 13.05.2007
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